„Kerzenlicht leuchtet Hunderten den Weg aus der Dunkelheilt“

„… Diese Nacht hat ihr Vorspiel. Das Samstagsritual. Ohne Wodka geht es nicht. Er vertreibt die Wolken, die Sorgen, macht warm. So zieht Benny (19) los in die Dämmerung, in die City, mit seiner Flasche, ohne viel Hoffnung. ‚Wo zum Teufel is was los ?‘ Es ist der Anfang einer Geschichte, die Katharina (27) ganz anders erlebt.

Diese Nacht soll wieder magisch werden. Wie zuletzt. Diesen Stunden fiebert sie entgegen. Sie will Menschen treffen und einladen. Einen neuen Ort schaffen, Zeit schenken. ‚Es ist faszinierend zu sehen, was in so einer Nacht passiert. Zu sehen wie Menschen kommen und wie verändert sie wieder gehen.‘ So zieht sie los ins Dämmerlicht der Königstraße. Mit nichts in der Hand, bis auf ein paar Kerzen. Aber mit viel Hoffnung.

‚Willst du in der Kirche eine Kerze anzünden?‘ Benny zieht die linke Augenbraue nach oben, mustert Katharina misstrauisch und ist auf dem besten Wege weiterzugehen. Doch die Neugier siegt. Was hat er zu verlieren? Nichts. Nicht einmal Zeit. Die Zukunft verspricht ihm nicht viel. Wie so vielen in seinem Alter.

Es ist, als müsse Katharina Staubsauger auf der Königstraße verkaufen. Sie muss hartnäckig sein. Rückschläge hinnehmen, ohne sich entmutigen zu lassen. Bei Benny hat sich diese demütige Zielstrebigkeit gelohnt. Zögerlich kommt er mit. In gebotenem Abstand, ein Teelicht in der Hand, und immer auf dem Sprung nach draußen.

Der erste Eindruck vertreibt jedoch ­seinen Argwohn. Die unterschwellige Angst vor dem, was ihn hier erwartet. Das Fremde. Es ist schließlich selten, dass es jemand gut mit ihm meint. Doch hier ist alles anders.

Genau darauf ist Christian Hermes vorbereitet. Der Stadtdekan weiß, dass manche ‚befremdet sind‘, wenn sie nach langer Zeit wieder einmal eine Kirche betreten. Er weiß, dass ‚manchen der Glauben fremd und die Kirche befremdlich geworden ist‘. Aber eben jene will er ansprechen. Fremde oder Freunde? Diese Frage ist hier nicht gestellt. Hermes: ‚Wir sagen nicht, ihr seid fremd. Wir wollen Offenheit und Offenherzigkeit zeigen. Kirche muss sich dieser Gesellschaft aussetzen.‘ So steht es im Übrigen auch in seinem pastoralen Konzept ‚Aufbrechen‘: ‚Kirche muss Kirche in der Stadt sein. Und Kirche für die Stadt.‘

So muss es auch Benny erlebt haben. Stumm und fassungslos steht er in der Domkirche. Eine ins weiche Kerzenlicht getauchte Domkirche. …“